Prozess

    Suchmandat erstellen: eine Anleitung aus der Praxis.

    Was ein Suchmandat von der Stellenbeschreibung unterscheidet, welche sieben Bausteine hineingehören und wie Sie in zwei Minuten zu einem ersten Entwurf kommen.
    22. September 20268 Min. Lesezeit

    Die meisten Suchen scheitern nicht an der Ansprache, sondern an der Vorarbeit. Ein Unternehmen weiß, dass eine Position offen ist, hat eine alte Stellenbeschreibung im Ordner und startet damit die Suche. Nach sechs Wochen liegen Profile auf dem Tisch, die formal passen und fachlich niemanden überzeugen. Der Grund ist fast immer derselbe: Es gab nie ein Suchmandat, nur eine Anzeige.

    Ein Suchmandat ist der interne Arbeitsauftrag für eine Personalsuche. Es richtet sich nicht an den Markt, sondern an die Suchenden. Es hält fest, was zwingend erfüllt sein muss, was verhandelbar ist, wo passende Menschen heute arbeiten und welche Argumente in der Direktansprache tragen. Die Stellenbeschreibung wirbt. Das Suchmandat entscheidet.

    Baustein eins, die Ausgangslage: Warum ist die Position offen? Neu geschaffen, Nachbesetzung nach Kündigung, Wachstum, Nachfolge? Diese eine Information verändert die Ansprache vollständig, weil sie erklärt, worauf sich jemand einlässt.

    Baustein zwei, das Ergebnis in zwölf Monaten: Woran wird gemessen, ob die Besetzung funktioniert hat? Wer diese Frage nicht in drei Sätzen beantworten kann, hat die Rolle noch nicht entschieden, sondern nur die Vakanz beschrieben.

    Baustein drei, Muss und Kann: Drei bis fünf zwingende Anforderungen, alles andere ist Kann. Das ist der unbequemste Teil, weil er Verzicht bedeutet. Aber eine Anforderungsliste mit vierzehn Punkten beschreibt kein Profil, sondern einen Wunsch. Am Markt existiert sie nicht.

    Baustein vier, Team und Entscheidungswege: An wen wird berichtet, wie groß ist das Team, wer entscheidet über die Einstellung und in welchem Rhythmus? Kandidatinnen und Kandidaten fragen das im ersten Gespräch. Wenn die Antwort dann improvisiert klingt, ist der Eindruck weg.

    Baustein fünf, Rahmenbedingungen: Gehaltsband, Standort, Homeoffice-Regelung, Reiseanteil, Eintrittstermin. Wer das Band nicht nennt, führt sechs Wochen Gespräche mit Menschen, die am Ende doppelt so teuer sind wie geplant.

    Baustein sechs, Zielunternehmen und Sperrfirmen: In welchen Branchen, Größen und Regionen arbeiten vergleichbare Profile heute? Und genauso wichtig: Welche Unternehmen sind tabu, etwa Kunden, Lieferanten oder Gesellschafterbeteiligungen? Dieser Punkt wird regelmäßig vergessen und sorgt später für unangenehme Telefonate.

    Baustein sieben, die Rückfragen: Jedes ehrliche Suchmandat endet mit offenen Punkten. Das ist kein Mangel, das ist der eigentliche Wert. Wer die fünf bis acht Fragen vor Suchbeginn klärt, spart im Verlauf mehrere Wochen.

    Damit dieser Entwurf nicht an einem freien Nachmittag hängt, gibt es auf dieser Website einen kostenlosen Suchmandat-Generator. Sie beschreiben die Vakanz in ein paar Sätzen so, wie Sie sie intern besprechen würden, und erhalten ein strukturiertes Anforderungsprofil mit genau diesen Bausteinen, inklusive Zielunternehmen und Rückfragen. Fehlende Angaben werden ehrlich als offen markiert statt erfunden.

    Danach gilt dasselbe wie für jedes Dokument: Es ersetzt kein Gespräch. Aber es verändert die Art des Gesprächs. Statt über Formulierungen zu reden, reden wir über Entscheidungen. Das ist der Punkt, an dem eine Suche anfängt zu funktionieren.